Im Fokus - Carole Volkart Photography | Interview-Serie von Adrian Wirz

Ich hatte dieses Jahr die Ehre Teil einer Interviewserie vom talentierten und bekannten Landschafts- und Städtefotografen Adrian Wirz sein zu dürfen. Es hat mir unheimlich Spass gemacht und damit auch Du einen tieferen Einblick in meine Geschichte und meinen Werdegang bekommst, zeige ich Dir hier das ganze Interview. Viel Spass beim Lesen :-)

Im Fokus: Carole Volkart

October 29, 2017

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Adrian Wirz

Ich freue mich heute einen Blogbeitrag der sympathischen Basler Fotografin Carole Volkart zu veröffentlichen. Ihre Bilder erfreuen den Betrachter durch authentische Ansichten unserer wunderschönen Schweiz. Ihre Landschaftsfotos haben immer etwas verträumtes in sich und ich freue mich immer wieder auf ihre Fotos. Aber nicht nur Landschaften gehören zu ihrem Metier....

Erzähl uns doch etwas über dich, wo du wohnst, wie hast du zur Fotografie gefunden?
 

Aufgewachsen bin ich in Muttenz (BL) und wohne nun seit sieben Jahren in Allschwil bei Basel. Die Fotografie begeisterte mich bereits als Mädchen. Im Alter von zehn Jahren bekam ich von meinem Götti meine erste Kompaktkamera auf den Geburtstag geschenkt. Während des Gymnasiums brachte mich meine Neugierde zur Fotografie dazu, einen schulinternen Fotografiekurs zu besuchen. Voraussetzung für den Kurs war eine analoge Spiegelreflexkamera. So absolvierte ich diesen Kurs mit der alten analogen Kamera meines Vaters, was mich absolut faszinierte. In der heutigen Zeit ja kaum noch vorstellbar, entwickelten wir sogar unsere Bilder selbst in einem Fotolabor. Ich fand es unheimlich spannend zu sehen, wie ein Foto überhaupt entsteht respektive wie es sich zu einem fertigen Bild entwickelt.

Danach habe ich die Fotografie über Jahre hinweg als reines Hobby betrieben. Ich habe mich überwiegend der Urlaubs- und Reisefotografie gewidmet. Aber meine Bilder waren einfach nie wirklich so, wie ich es mir immer erträumt hatte. Vor bald sechs Jahren hatte ich die Nase dann voll davon und ich wünschte mir auf meinen 30. Geburtstag einen Zustupf für eine Kamera mit Wechselobjektiven. Ich entschied mich für eine digitale Systemkamera von Olympus und kaufte mir einige Wechselobjektive dazu. Um mir die Grundbausteine des manuellen Fotografierens einzuverleiben, besuchte ich einen Fotografiekurs der Migros Klubschule. Jedoch merkte ich schnell, dass ich mit eigenem Nachschlagen, Informieren im Internet, Austausch mit anderen Fotografen auf sozialen Plattformen und eigenem Ausprobieren viel schneller mit Lernen war, als der Kurs es mir bieten konnte. Also lernte ich die ganzen Facetten und insbesondere auch die Praxis der Fotografie überwiegend auf autodikatischem Weg kennen und lieben. Und bald schon entstanden endlich solche Aufnahmen, wie ich sie mir zuvor jahrelang erträumt hatte! Ich war Feuer und Flamme für die Landschafts- und Naturfotografie und verbrachte über ein Jahr lang fast jede freie Minute hinter der Kamera irgendwo in der Natur an den bezauberndsten Flecken unserer schönen Schweiz.

Als ich infolge Umstrukturierungen im Betrieb im 2016 meine langjährige Stelle als Psychologin verloren hatte, entschied ich mich dazu, als Fotografin einen professionellen Weg einzuschlagen. Denn wie allgemein bekannt, kann man von der Landschaftsfotografie noch so begeistert sein, ausschliesslich davon zu leben ist jedoch mehr Traum als Realität. Bereits im Herbst 2015 fing ich an, Familie und Freunde für Übungszwecke vor die Linse zu bekommen, wobei von Babyshootings, Babybauchshootings, Pärchenshootings, Portraitsshootings bis hin zu Familienshootings alles mit dabei war. Ich merkte schnell, dass mir das Fotografieren von Menschen einen unglaublichen Spass bereitete und das Betrachten der strahlenden Gesichter meiner Models beim Anblick ihrer eigenen Fotos erfüllte mich zutiefst.

Bereits im Verlauf der ersten Monate kristallisierten sich meine Lieblingsdisziplinen heraus und so fotografiere ich heute am liebsten Babies, Babybäuche, Familien und zivile oder kurze Hochzeiten im kleinen Rahmen. Vermutlich geprägt durch die Naturfotografie und meine Liebe zu natürlichen Bildern habe ich mich dazu entschieden, mir kein Fotostudio zu zutun, sondern meine Fotoshootings ausschliesslich Outdoor in der Natur oder zu Hause bei den Eltern durchzuführen. Im Bereich der Babyfotografie liegen mir die Homeshootings besonders am Herzen, da ich die Meinung zahlreicher Hebammen teile, dass es sowohl für die frischgebackene Mama wie auch das Baby wichtig ist, das Wochenbett einzuhalten und nicht ein paar Tage nach der Geburt mit dem Familienzuwachs ins Fotostudio zu rennen.

Neben meiner Tätigkeit als Fotografin bin ich einem weiteren Herzenswunsch gefolgt und habe vor kurzem meine Praxis für Ernährungspsychologie eröffnet, wo es um die Themen achtsames Essen, Zuckersucht und Essstörungen geht. Für das nächste Jahr sind auch erste Online Selbsthilfe Programme geplant.

Mit welcher Kamera und Objektiven fotografierst du zur Zeit? 

Dadurch dass ich in die Peoplefotografie eingestiegen bin und ich mich aus Überzeugung der natürlichen Fotografie mit «available light» verschrieben habe und ich dadurch bei meinen Fotoshootings häufig mit wenig Licht auskommen muss, bin ich im Herbst 2016 auf APS-C und die Marke Fuji umgestiegen und fotografiere aktuell ausschliesslich mit Kameras der Fuji X Serie (X-T2 sowie X-T1) und hauptsächlich mit diversen lichtstarken Festbrennweiten. Meine aktuelle Lieblingslinse ist das Fujinon XF 90mm F2.0.

Gibt es Fotomotive die du bevorzugst und solche die du eher weniger magst?

Da ich selbst ein sehr emotionaler Mensch bin, fasziniert mich auch in der Fotografie hauptsächlich alles, was lebendig, natürlich und authentisch ist. So verwundert es nicht, dass ich am liebsten Landschaften, Tiere, Blumen, verliebte Menschen, Babybäuche und Eltern mit ihrem neugeborenen Baby vor der Linse habe. Was mir eher weniger liegt ist beispielsweise die Architekturfotografie – irgendwie fehlen mir da die Emotionen, sowohl beim selber fotografieren wie auch bei der Betrachtung anderer Bilder.

Welches sind deine drei schönsten Fotos?

Meine drei liebsten Fotos sind allesamt Landschaftsaufnahmen. Warum? Obwohl ich inzwischen zahlreiche wunderschöne Bilder von neugeborenen Babies, schwangeren Frauen oder verliebten Hochzeitspaaren geschossen habe und auch echte Lieblingsbilder dabei sind, fehlt mir bei diesen Peopleaufnahmen mein persönlicher emotionaler Bezug. Es ist ja nicht mein Babybauch, nicht mein Baby und auch nicht meine Hochzeit, die ich in Bildern vor mir halte. Das ist der Grund weshalb meine allerschönsten Fotos aus meiner persönlichen Sicht vermutlich immer Natur- oder Landschaftsaufnahmen sein werden. Ok, ausser wenn ich selbst Mama werde, dann sind die Fotos meines Babies ziemlich sicher die allerschönsten auf der ganzen Welt ;-) Aber nun endlich zu meinen drei schönsten Aufnahmen:

Matterhorn und Stellisee.
Dieses Bild stammt aus dem Sommer 2016 und ist das neueste meiner drei hier vorgestellten Lieblingsbilder. Immer wieder sah ich im Internet oder auf online Plattformen Bilder von diesem Ort und irgendwie zogen sie mich einfach magisch an. Darunter waren teils sehr farbintensive Aufnahmen, wobei ich mich immer fragte: „Kann das wirklich sein oder ist es bloss Photoshop?“ Tagsüber kannte ich den Stellisee bereits, nur musste ich ihn meistens mit einer Horde Touristen teilen – naja, nicht so mein Ding. Also buchte ich letzten Sommer spontan eine Übernachtung in der nahegelegenen Berghütte. Das Wetter schien auch zu stimmen, also los ging’s. Auf einen extrem unspektakulären Sonnenuntergang am Abend, folgte eine traumhaft sternenklare Nacht. Die Milchstrasse im hohen Bogen über mir, es war einfach der Wahnsinn! Nach wenigen Stunden Schlaf ging es dann früh morgens im Dunkeln hinunter zum Stellisee. Ich war nicht alleine, es hatte auch noch andere Fotografen vor Ort. Schnell sicherte ich mir „mein Plätzchen“, was ich mir am Abend zuvor ausgesucht hatte und dann ging das grosse Warten los. Was ich dabei am meisten genoss, war diese unendliche Stille. Alle verhielten sich sehr ruhig und es wurde kaum gesprochen. Dann endlich ging es los, die ersten Farben erschienen am Horizont und veränderten sich von Minute zu Minute. Eine Farbkombination fantastischer als die andere. Es war unglaublich faszinierend, den Tag an einem solchen schönen Ort erwachen zu sehen und sich somit einen Traum zu erfüllen – da ist man einfach nur dankbar! Und dabei entstand dieses Bild mit der Matterhornspiegelung im Stellisee. Das Bild gefällt mir so gut, dass es sogar bei mir zu Hause über meinem Sofa hängt und das Titelblatt meines Schweizer Naturoasen 2018Wandkalender kürt.

Milky Way auf dem Brienzer Rothorn.
Jahrelang träumte ich davon, auch mal die Milchstrasse fotografieren zu können. Als die dafür notwendige Ausrüstung endlich vorhanden war, konnte ich es kaum erwarten, mein erstes Milchstrassenbild machen zu können. Als ich auf dem Brienzer Rothorn also zum allerersten Mal auf meinem Display die Milchstrasse in ihrer faszinierenden Schönheit erblicken konnte, hätte ich vor lauter Freude losjubeln wollen. Es war ja aber mitten in der Nacht, also liess ich es sein und es blieb bei einem breiten Grinsen, woran ich mich bis heute noch erinnere. Für mich war es einer der grössten fotografischen Momente, der mich einfach vollkommen ausfüllte.

Château de Chillon - Montreux
Bei diesem Bild vom Château de Chillon handelt es sich um eines der ersten tollen Langzeitbelichtungsbilder, die mir gelungen sind und gleichzeitig ist es auch eine meiner kitschigsten Aufnahmen. Das Bild gefällt mir auch heute noch sehr gut - es hat etwas Verträumtes und Magisches und das liebe ich. Das Bild hat damals im Internet sogar jemanden dazu bewogen, ein Gedicht darüber zu schreiben, was mich sehr berührt hat.

Sicher hast du auch spannende Erlebnisse während deiner Foto-Touren erlebt, erzähl uns doch etwas davon:

Im Gegensatz zu manchen anderen Landschaftsfotografen habe ich keine halsbrecherischen Geschichten über meine Ausflüge zu erzählen. Was ich jedoch von meinen zahlreichen Fototouren gelernt habe ist, dass die Dinge selten so kommen, wie geplant oder erhofft. Anfangs war es oft eine riesige Enttäuschung für mich, wenn ich viele Stunden in die Vorbereitung einer Tour investiert habe und am Ende kam alles anders, wenn ich erst mal unterwegs war – die blühenden Krokusse waren bereits verblüht, statt eines schönen Sonnenunterganges stand ich im Nebel, statt einer wunderschönen Spiegelung im Bergsee gab’s nur Wind, was eine Spiegelung der Berge im See verunmöglichten, die wilden Steinböcke waren auch nirgends zu sehen, obwohl sie doch um diese Jahreszeit immer dort sind usw. Was ich lange aber nicht mitberücksichtigt hatte, war die Tatsache, dass ich in 90% dieser enttäuschenden Erfahrungen bei genau derselben Tour z.B. statt der Bergseespiegelung einen wilden Fuchs aus nächster Nähe beobachten und fotografieren konnte oder statt blühende Krokusse mir die Steinböcke quasi auf dem Weg gegenüber standen oder ich entschied kurzerhand dem Nebel „adieu“ zu sagen und nahm spontan die Bahn über das Nebelmeer, wo ich einer der schönsten Sonnenuntergänge erleben durfte. Fast immer wurde meine Enttäuschung durch ein anderes unerwartetes Erlebnis wieder gut gemacht. Mit dieser Erfahrung und Vertrauen gehe ich heute viel entspannter auf Fototouren und natürlich auch zu meinen Fotoshootings.

Was fasziniert dich an der People- und Landschaftsfotografie?

Im Bereich der Peoplefotografie sind es die emotionalen Momente zwischen den Menschen, die mich faszinieren, wie beispielsweise verliebte Blicke zwischen einem Hochzeitspaar oder die bedingungslose Liebe zwischen Familienmitgliedern und natürlich die innige Bindung zwischen frischgebackenen Eltern und ihrem neugeborenen Baby. In der Landschaftsfotografie sind es die die Schönheit der Natur, die Ruhe, die Farbspektakel, die Naturgeräusche und die unvorhersehbaren Momente, die mich faszinieren und mich mit Dankbarkeit erfüllen.

Gibt es ein Land welches du unbedingt mal besuchen möchtest?

Ja es gibt bestimmt Länder, die ich gerne noch besuchen möchte, jedoch gibt es nicht „das“ Land, welches es unbedingt sein muss. Ein Naturschauspiel, welches mich jedoch seit Kindheit absolut fasziniert, ist das Nordlicht. So ist es auch mein grosser Wunsch, irgendwann mal noch die Nordlichter „live“ erleben und wenn möglich auch fotografieren zu dürfen.

Welches Motiv fehlt dir noch in deinem Portfolio?

Auf der Ebene der Landschaftsfotografie wäre das noch fehlende Motiv, wie bereits bei der vorherigen Frage erwähnt, ganz klar das Nordlicht. Was die Peoplefotografie betrifft, liebäugle ich bereits länger damit, eventuell vielleicht mal eine Geburt fotografisch zu begleiten. Wie meiner Formulierung jedoch zu entnehmen ist, besteht diese Idee noch aus lauter „Vielleichts“ und vielen gefühlten Konjunktiven :-)

Hast du schon mal einen Fotoworkshop besucht?

Einen Fotoworkshop habe ich bisher nur im Bereich der Neugeborenenfotografie besucht (bei Ruth Sun). Da ich zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits bei zwei anderen Babyfotografinnen reinschnuppern und viel Wissen über den Umgang mit Neugeborenen mitnehmen durfte, brachte mir persönlich der Workshop – obwohl er sehr gut und informativ war - nicht mehr viel neues Wissen. Fotoworkshops in der Landschaftsfotografie sprechen mich aus dem Grund nicht an, da ich wohl einfach zu gerne spontan und alleine in der Natur unterwegs bin und nur so wirklich abschalten und auftanken kann :-)

Gibt es eine oder mehrere Personen welcher/n du an dieser Stelle ein „Herzliches Dankeschön“ aussprechen möchtest?

Ja. Einen besonderen Dank möchte ich gerne meinen Berufskollegen Petra Gerber und Oliver Wehrli aussprechen. Ohne die beiden wäre ich heute in Bezug auf die Fotografie nicht da, wo ich jetzt stehe. Durch Petra (www.petragerber.ch) bin ich damals erst so richtig auf die Neugeborenenfotografie aufmerksam geworden, wofür ich ihr wohl für immer dankbar sein werde und natürlich auch für ihre Freundschaft.

Oliver (Fujifilm X-Photographer; www.oliverwehrli.ch) hat mich insbesondere in meinen Anfängen in der Landschaftsfotografie stark geprägt. Von ihm durfte ich extrem viel Wissen rundum Kamera- und Filtertechnik mitnehmen, wofür ich ihm noch heute sehr dankbar bin. Und selbstverständlich auch ein herzliches Dankeschön an alle anderen Menschen in meinem Umfeld, welche mich immer wieder unterstützen und hinter mir stehen – diejenigen, die es betrifft wissen es :-)

Vielen herzlichen Dank Carole für diesen interessanten Einblick!

Die Websiten von Carole Volkart: carolevolkart.ch  und  psychologin-basel.ch

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4123 Allschwil (BL)

info@carolevolkart.ch

Tel. +41 79 375 72 31 (Tel./Whatsapp)

 



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